Bibel praktisch

Das persönliche Gebet

In der Gebetskammer (das ist jeder Ort, an dem wir ungestört beten können) sind wir mit Gott allein. Dort können wir Ihm wirklich alles sagen, unser Herz vor Ihm ausschütten. Zugleich wird uns da stärker als woanders bewußt, daß Er nicht nur auf unsere Worte hört, sondern auch in unser Herz schaut. Unser Gewissen wird berührt - Gott kann Seinerseits zu uns reden. So werden wir als andere Menschen hin-ausgehen. Wie lebensnotwendig ist dieser Ort der Stille! Ohne Zweifel können wir unseren geistlichen Pegelstand exakt daran messen, wie oft und wie lange wir uns dort aufhalten.


Betet unablässig

Doch wir wollen uns nichts vormachen. Als ein Geschehen, das völlig im Hintergrund abläuft, kann das persönliche Gebet ganz schnell in der Alltagshektik untergehen. Aber das wäre verhängnisvoll. Zu allen Zeiten waren es die treuen Beter und Beterin-nen, die Gott zur Erfüllung seiner Absichten und zum Nutzen für andere gebrauchen konnte. Wir sollten uns daher nicht wundern, wenn Satan unablässig versucht, uns am unablässigen Beten zu hindern. Nur durch strenge Selbstdiziplin ist es heutzutage noch möglich, genügend Zeit für das Gebet im Tagesablauf unterzubringen. Deshalb wollen wir uns an die erstaunliche Tatsache erinnern, daß selbst der Sohn Gottes als Mensch auf der Erde ein unermüdlicher Beter war. Der Evangelist Lukas erwähnt den betenden Herrn besonders häufig (Lk 3,21; 5,16; 6,12; 9,18; 9,28.29; 11,1; 22,32; 22,41-45; 23,34.46).


Gebet ist Kampf

Einige lassen sich von der stillen Abgeschiedenheit der Gebetskammer verleiten, Beten mit Passivität gleichzusetzen. Sie sehen das Gebet höchstens als Vorbereitung oder Unterstützung des geistlichen Kampfes an. Aber die Schrift sieht es anders - Gebet ist Kampf! (Vgl. Röm 15,30; Kol 4,12.) In Epheser 6,18 gehört Beten zur Waffenrüstung. Als Israel in Rephidim gegen Amalek kämpfte, war der Sieg nicht in erster Linie von den Kämpfern abhängig, sondern von dem Beter Mose auf dem Hügel (2. Mo 17,11). Später waren es Josuas Gebet bei Gibeon (Josua 10) und Samuels Schreien zu Gott bei Eben-Eser (1. Samuel 7), die den Ausgang der jeweiligen Schlacht bestimmten. Nein, das persönliche Gebet ist keine Nebenbeschäftigung für Mu-Bestunden. Selbst in der überaus bewegten Anfangszeit blieben die Zwölf unerschütterlich dabei: Wir aber werden im Gebet und im Dienst des Wortes verharren" (Apg 6,4).


Gott ist im Himmel

Man nennt das Gebet oft einen Dialog mit Gott, was auch zutreffend ist. Doch bei diesem Vergleich sollte uns immer bewußt bleiben, wer wir sind und zu wem wir sprechen. Abraham läßt ein tiefes Empfinden dafür erkennen, wenn er einst sagte: „Siehe doch, ich habe mich unterwunden zu dem Herrn zu reden, und ich bin Staub und Asche" (1. Mo 18,27). Der Prediger rät: „Sei nicht vorschnell mit deinem Munde, und dein Herz eile nicht, ein Wort vor Gott hervorzubringen; denn Gott ist im Himmel, und du bist auf der Erde" (Pred 5,2). Vielleicht meint jemand, das sei bei den Kindern Gottes heute sicher anders. Aber dann sagt uns Petrus: „Wenn ihr den als Vater anrufet, der ohne Ansehen der Person richtet nach eines jeden Werk, so wandelt die Zeit eurer Fremdlingschaft in Furcht" (1. Pet 1,17).


Gott versteht uns

Wenn wir uns jetzt erinnert haben, daß wir als Beter vor dem heiligen Gott stehen, wollen wir darüber keinesfalls vergessen, daß wir Ihn „als Vater" anrufen dürfen. Diese unfaßbare Gnade macht alles ganz unkom-pliziert, wenn es um die Form des Gebets geht. Eltern werden ihr Kind schon vom einfachsten Lallen an verstehen. Dennoch macht es sie glücklich, wenn das Kind lernt, sich immer klarer auszudrücken, wenn sein Gesichtsfeld sich weitet und wenn es immer mehr in ihre Gedanken einzugehen vermag. Ebenso ist es mit unserem himmlischen Va-ter: „Wenn ihr aber betet, sollt ihr nicht plappern wie die von den Nationen; (.). Seid ihnen nun nicht gleich; denn euer Vater weiß, was ihr bedürfet, ehe ihr ihn bittet." (Mt 6,7.8) Der Vater versteht uns vom ersten wirklichen Gebet „O Gott, sei mir, dem Sün-der, gnädig!" an. Aber Er möchte auch, daß wir ein wenig Ihn verstehen lernen und mit Ihm darüber reden - vom Beter zum Anbeter heranwachsen (lies Johannes 4, Vers 23). Laßt uns also hin und wieder bewußt unseren „Bittenkatalog" analysieren, ob sich darin Wachstum in die Tiefe und in die Breite widerspiegelt. Dann müßte sich in unsere Gebete zunehmend Danksagung mischen, zu den Bitten in eigener Sache immer mehr Fürbitte hinzukommen, und Danksagen für die Gabe wird zur Anbetung des Gebers führen.

Das Wachstum in die Breite wird den Radius unserer Gebete über die persönlichen Anliegen, die Gläubigen und andere Menschen unseres Wohnortes, das Werk und die Diener des Herrn in der Nähe und Ferne bis an die „Enden der Erde" erweitern: „Ich ermahne nun vor allen Dingen, daß Flehen, Gebete, Fürbitten, Danksagungen getan werden für alle Menschen, für Könige und alle, die in Hoheit sind" (1. Tim 2,1).


Vorausetzungen und Hindernisse für Erhörung

Nicht alle Gebete finden Erhörung. Es kann sein, daß Gott unseren Glauben prüft oder daß Er einen anderen Zeitplan hat. Es kann aber auch sein, daß auf unserer Seite wichtige Voraussetzungen für die Erhörung feh-len. Auf einige solcher Vorbedingungen und Hindernisse, die sich in Gottes Wort finden, wollen wir kurz hinweisen.

 

Ungestörte Gemeinschaft mit dem Herrn und Übereinstimmung mit Seinem geoffenbarten Willen:

„Wenn ihr in mir bleibet und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch geschehen" Joh 15,7). Schon in den Sprüchen hieß es: „Wer sein Ohr abwendet vom Hören des Geset-zes: selbst sein Gebet ist ein Greuel" (Spr 28,9).


Unsere Motive müssen sauber und selbstlos sein:

„Wenn ich es in meinem Herzen auf Frevel abgesehen hätte, so würde der HERR nicht gehört haben" (Ps 66,18). Eine sehr ähnliche Stelle im Jakobusbrief sagt: „Ihr bittet und empfanget nichts, weil ihr übel bittet, auf daß ihr es in euren Lüsten vergeudet" (Jak 4,3). Gott kommt niemals egoistischen Wünschen entgegen, außer zum Gericht (vergl. Ps 106,15).


Geduldete Sinde verhindert Erhörung:

„Da sprach der HERR zu Josua: Stehe auf! Warum liegst du denn auf deinem Angesicht? Israel hat gesündigt" (Jos 7,10.11). Solange wir zögern, unsere Sünden zu bekennen und zu lassen, wird die Erhörung unserer Gebete blockiert. David bat daher: „Von verborgenen Sünden reinige mich!" (Ps 19,12). Jakobus schreibt: „Bekennet denn einander die Vergehungen und betet füreinan-der, damit ihr geheilt werdet" (Jak 5,16). Wenn wir unterlassen, unseren Mitgläubi-gen die Füße zu waschen, ihnen bei Verfehlungen geschwisterlich beizustehen, tragen wir eine gewisse Mit-schuld, falls deshalb ihre Gebete nicht erhört werden.

Glauben und Vergebungsbereitschaft:

Beide Dinge nennt der Herr selbst als Voraussetzungen für Erhörung: „Darum sage ich euch: Alles, um was irgend ihr betet und bittet, glaubet, daß ihr es empfanget, und es wird euch werden. Und wenn ihr im Gebet dastehet, so vergebet, wenn ihr etwas wider jemand habt, auf daß auch euer Vater, der in den Himmeln ist, euch eure Übertretungen vergebe. Wenn ihr aber nicht vergebet, so wird euer Vater, der in den Himmeln ist, auch eure Übertretungen nicht vergeben" (Mk 11,24-26). Vergleiche hiermit auch Jakobus 1,6-8 und Matthäus 6,14.15; 18,21-35.


Glauben, Gehorsam und Gebet

Zuletzt wollen wir das persönliche Gebet noch kurz in einen größeren Zusammenhang stellen, in den es unlösbar hineingehört, nämlich in das Dreigestirn Glauben (Mt 21,22;; Heb 11,6), Gehorsam Joh 14,23) und Gebet (Ps 145,18.19). Diese drei Dinge bilden zusammen die Grundlage jeder glücklichen persönlichen Gemeinschaft mit Gott. Wir finden sie auch bei unserem Herrn, dessen Gemeinschaft mit Seinem Gott und Vater niemals unterbrochen war: „Ich will mein Vertrauen auf ihn setzen" (Heb 2,13), „dein Wohlgefallen zu tun, mein Gott, ist meine Lust; und dein Gesetz ist im Innern meines Herzens" (Ps 40,8; Heb 10,7), „ich aber bin [stets iml Gebet" (Ps 109,4).