Bibel praktisch

Die Arbeit - nur ein Job?

Worum es geht

In diesem Beitrag wollen wir uns ein wenig damit beschäftigen, was die Bibel über unsere tägliche Arbeit sagt. Welche Einstellung sollte ein Christ zu seiner Arbeit haben? Dabei geht es uns jetzt nicht speziell um unsere Beziehungen im Berufsleben (also z.B. unser Verhalten gegenüber Kollegen, Vorgesetzten usw.), sondern um unsere Grundhaltung zur Arbeit. Natürlich schließt das unseren Beruf mit ein, aber wir können darüber hinaus auch an andere Bereiche den-ken, z.B. an Schule, Studium, Ausbildung, Haushalt, Arbeit im sozialen Bereich, Arbeit zu Hause usw.


Zwei wichtige Aussagen

An den Anfang unserer Überlegungen wollen wir zwei Aussagen aus der Bibel, und zwar aus dem Alten Testament, stellen:

„Gehe hin zur Ameise, du Fauler ... Bis wann willst du liegen, du Fauler? wann willst du von deinem Schlaf aufstehen? Ein wenig Schlaf, ein wenig Schlummer, ein wenig Händefalten, um auszuruhen: und deine Armut wird kommen wie ein rüstig Zu-schreitender, und deine Not wie ein gewappneter Mann" (Spr 6,6-11).

„Vergeblich ist es für euch, daß ihr früh aufsteht, spät aufbleibt, das Brot der Mühsal d.h. das sauer erworbene Brot] eßt; also gibt er seinem Geliebten im Schlaf" (Ps 127,2).

Beide Aussagen stammen aus dem Mund des weisen Salomo. Aber kann das so stimmen? Hat Salomo sich nicht wenigstens einmal geirrt? Auf den ersten Blick sieht es tatsächlich so aus, als würden sich die beiden Stellen widersprechen. Im Buch der Sprüche werden wir vor Faulheit und Schlaf gewarnt, und in den Psalmen wird uns ge-sagt, daß der Herr es seinem Geliebten im Schlaf gibt. Was stimmt denn nun?

Nun, beide Aussagen sind richtig und zeigen uns zusammen die rechte Einstellung des Christen zur Arbeit. Wir lernen daraus folgende Grundsätze:

  1. Gott möchte fleißige Christen. Auch (oder gerade) in unserer täglichen Arbeit sollten wir immer vollen Einsatz leisten.
  2. Ohne den Segen Gottes bleibt unsere Mühe wertlos. Wir arbeiten nicht in eigener Kraft, sondern unter dem Segen des Herrn.

Diese beiden Grundsätze sollen uns nun etwas beschäftigen.


Die Schöpfungsordnung Gottes

Die Bibel zeigt uns an vielen Stellen eine positive Einstellung zur Arbeit. Die Bejahung der Arbeit finden wir schon in der Schöpfungsordnung Gottes auf den ersten Seiten der Bibel.

Ist uns schon einmal aufgefallen, daß die Arbeit (neben der Ehe) eins der wenigen Dinge ist, die uns aus dem Paradies erhalten geblieben sind? Gott forderte Adam auf, den Garten Eden zu bebauen und zu bewahren und den Tieren Namen zu geben (lies 1. Mo 2,15-20). Hier haben wir den Anfang der Arbeit überhaupt. Nebenbei bemerkt, finden wir hier schon die beiden Arten der Arbeit, die es bis heute gibt:

  1. körperliche Arbeit - das Bebauen und Bewahren des Gartens
  2. geistige Arbeit - die Namensgebung der einzelnen Tiere

Daraus lernen wir, daß die Arbeit mit der Hand und mit dem Kopf von Gott gegeben und somit etwas grundsätzlich Positives ist.

 

Im Schweiße deines Angesichts

Die Sünde brachte eine entscheidende Wen-de. Vor dem Sündenfall war die Arbeit wohl nicht mit Mühe und Anstrengung verbunden (sie wurde jedenfalls nicht als Druck empfunden). Doch als Adam und Eva sün-digten, verfluchte Gott den Erdboden (als Folge dieses Fluches wachsen Dornen und Disteln und machen das Bearbeiten der Erde mühsam). Zu Adam sagte Er: „Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen" (1. Mo 3,19). Das ist der Grund, warum uns die Arbeit oft mühselig und schwierig er-scheint.

Es bleibt dabei, daß die Arbeit von Gott gegeben ist, aber durch den Sündenfall haben wir oft keine Freude daran.


Faul oder fleißig

Diese beiden Tugenden finden wir wiederholt im Buch der Sprüche. Gott warnt uns vor Faulheit und spornt zum Fleiß an. Beide - der Faule und der Fleißige - ernten die Folgen ihres Tuns (oder Nicht-Tuns).

Im Neuen Testament

Das NT bestätigt die Aussagen des AT. Der Apostel Paulus ging als Beispiel vor den Gläubigen her. Obwohl er das Recht gehabt hätte, sich finanziell unterstützen zu lassen (1. Kor 9,12ff.), arbeitete er doch mit seinen eigenen Händen, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren (vgl. 1. Kor 4,12; 1. Thes 2,9).

Die Gläubigen in Ephesus werden aufgefor-dert: „Wer gestohlen hat, stehle nicht mehr, sondern arbeite vielmehr und wirke mit seinen Hände das Gute" (Eph 4,28). Den Thes-salonichern zeigt Paulus im ersten Brief, daß es zu einem „ehr-baren" Wandel gehört, wenn man arbeitet, d.h., die ordentliche Arbeit des Christen ist ein Teil seines Zeugnisses nach außen (1. Thes 4,11). Im 2. Thes-salonicherbrief gebraucht Paulus sehr deutliche Worte. Dort gab es offensichtlich Gläubige, die - vielleicht sogar aus frommen Motiven - aufgehört hatten zu arbeiten. Ihnen sagt Paulus: „Wenn jemand nicht arbeiten will, so soll er auch nicht essen" (2. Thes 3,10). (Daß man diese Aussage nicht auf jemand übertragen kann, der heute arbeitslos ist, versteht sich von selbst; es geht darum, daß jemand nicht arbeiten will).


Tut alles im Namen des Herrn

Den Kolossern schreibt Paulus: „Und alles, was immer ihr tut, im Wort oder im Werk, alles tut im Namen des Herrn Jesus" (Kol 3,17). Das gilt auch für unsere tägliche Arbeit und gibt unserem Tun den richtigen Stellenwert. Die Menschen dieser Welt arbeiten aus ganz anderen Motiven. Sie wollen finanziell weiterkommen, eine höhere Position erlangen, vor anderen gut daste-hen. Christen tun ihre Arbeit in erster Linie im Namen des Herrn, d.h., der Herr Jesus ist ihr Auftraggeber, wir arbeiten in Seiner Kraft, und wir arbeiten für Ihn.

Wer so arbeitet, hat die richtige Einstellung zur Arbeit. Unsere tägliche Arbeit ist wich-tig, Gott gibt sie uns, und wir sollen sie mit Fleiß und vollem Engagement tun. Aber die Arbeit ist nicht alles. Wir sollen uns nicht in unserer Arbeit verlieren und alles andere darüber vergessen. Für einen Christen gibt es andere Dinge, die unser ganzes Interesse finden dürfen, die Arbeit am und im Werk des Herrn (1. Kor 15,58). Der Herr Jesus selbst hat Seine Jünger aufgefordert: „Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes" (Mt 6,33).


Die Botschaft des Propheten Haggai

An dieser Stelle ist die Botschaft des Propheten Haggai höchst aktuell. Haggai warnte die aus der Gefangenschaft zurückgekehrten Juden, die das Haus Gottes vergessen hatten und nur an ihren eigenen Geldbeutel dachten. Hören wir seine Worte:

„Ist es für euch selbst Zeit, in euren getäfelten Häusern zu wohnen, während dieses Haus [das Haus des HERRN] wüst liegt? ...Ihr habt viel gesät und wenig eingebracht; ihr eßt, aber nicht zur Sättigung; ihr trinkt, aber nicht zur Genüge; ihr kleidet euch, aber es wird keinem warm; und der Lohnarbeiter erwirbt Lohn für einen durchlöcherten Beutel ... Ihr habt nach vielem ausgeschaut, und siehe, es wurde wenig; und brachtet ihr es heim, so blies ich darein. Weshalb das? sprich der HERR der Heerscharen. Wegen meines Hauses, das wüst liegt, während ihr lauft, ein jeder für sein eigenes Haus ... Und ich habe eine Dürre gerufen über das Land ... und über die Menschen und über das Vieh und über alle Arbeit der Hände" (Hag 1,4-11).

Diese Worte sprechen für sich. Gott machte Seinem Volk damals unmißverständlich klar, daß sie sich abmühen konnten, wie sie woll-ten. Solange ihr Streben nur auf ihren eigenen Erfolg abzielte und sie die Sache Gottes darüber vergaßen, würden sie kein Gelingen haben. Im Gegenteil, Gott wollte eine Dürre über alle Arbeit ihrer Hände legen. Auch wenn wir heute in der Zeit der Gnade leben, haben sich Gottes Grundsätze nicht geän-dert. Gott er-wartet, daß wir ein Interesse an Seiner Sache haben und nicht nur an unseren eigenen Erfolg denken. Dann kann und will Er uns segnen.


Zusammenfassung

Die am Anfang zitierten Verse aus Sprüche 6 und Psalm 127 stehen also keineswegs im Widerspruch. Die Warnung aus Sprüche 6 richtet sich an die, die keine Lust zu arbeiten haben und lieber der Ruhe frönen. Solchen Menschen hält Gott den Spiegel Seines Wortes vor und zeigt ihnen, daß Er fleißige Geschöpfe sehen möchte. Die Warnung aus Psalm 127 richtet sich im Gegensatz dazu an die, die ihre eigene Arbeit über alles stellen und meinen, daß sie in eigener Kraft alles hinbekommen können. Solchen wird gesagt, daß ihre Mühe so umsonst sein wird. Beide Gefahren sind heute für uns sicher akut. Viele von uns sind in einer Generation aufgewachsen, die die Arbeit als ein notwendiges Ubel ansieht, auf das man so weit wie eben möglich verzichtet. Man gammelt lieber herum und liegt anderen auf der Tasche. Das andere Extrem finden wir aber auch. Karriere machen steht dann über allem. Man steckt alle zur Verfügung stehenden Kräfte in die Ausbildung und den Beruf und vergißt darüber Gott und Seine Interessen. Beide Haltungen sind sehr schädlich und führen nicht zu einem glücklichen Leben im Herrn.

Die richtige Einstellung des Christen zur Arbeit liegt in keinem dieser beiden Extreme. Für einen Christen stehen die Interessen Gottes über allen anderen Dingen. Darüber hinaus dürfen und sollen wir uns aber auch in unserer täglichen Arbeit engagieren und sie mit Fleiß und Einsatz tun. Dann wird Gott unsere Arbeit mit Seinem Segen begleiten.